Etwa jedes sechste Kind in Deutschland hat Übergewicht. Die gute Nachricht für Eltern: Es gibt viele Wege, gegenzusteuern – mit ausgewogener Ernährung, mehr Bewegung im Alltag und ohne Druck oder strenge Diäten. Als Elternteil hast du mehr Einfluss auf das Körpergewicht deines Kindes, als es sich manchmal anfühlt. Vielleicht fragst du dich gerade, ob dein Kind wirklich Übergewicht hat oder wie du es sanft und nachhaltig unterstützen kannst. Mit einer bewussten Lebensmittelauswahl, regelmäßiger Bewegung und altersgerechter Motivation kannst du Übergewicht bei Kindern vorbeugen oder überschüssige Pfunde abbauen helfen – das legen auch die aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter nahe (AGA, 2026). Dieser Artikel zeigt dir, woran du Übergewicht erkennst, was dahinterstecken kann und was im Alltag wirklich hilft.
Wie erkenne ich, ob mein Kind Übergewicht hat?
Am zuverlässigsten findest du das über den Body-Mass-Index (BMI) heraus, der bei Kindern immer alters- und geschlechtsspezifisch bewertet wird. Bist du dir nicht sicher, ob das Gewicht deines Kindes im altersspezifischen Rahmen liegt, nutze unseren interaktiven BMI-Rechner für Kinder. Du gibst Geschlecht, Gewicht, Größe und Alter deines Kindes ein, die Bewertung bekommst du gleich dazu.
BMI-Tabelle nach Alter und Geschlecht
Alternativ orientierst du dich an dieser Tabelle:
| Alter | Übergewicht – Mädchen (BMI) | Übergewicht – Jungen (BMI) | Adipositas – Mädchen (BMI) | Adipositas – Jungen (BMI) |
| 2 | 17,9–19,0 | 18,0–19,1 | über 19,0 | über 19,1 |
| 3 | 17,6–18,8 | 17,6–18,8 | über 18,8 | über 18,8 |
| 4 | 17,5–18,9 | 17,5–18,8 | über 18,9 | über 18,8 |
| 5 | über 18,9 | über 18,8 | über 19,2 | über 19,0 |
| 6 | 18,0–19,7 | 17,9–19,4 | über 19,7 | über 19,4 |
Quelle: Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA, 2015).
Fachlich gilt zur Einordnung: Bei Kindern und Jugendlichen wird Übergewicht ab einem BMI oberhalb der alters- und geschlechtsspezifischen 90. Perzentile definiert, Adipositas oberhalb der 97. Perzentile (Kinderärzte im Netz/BVKJ, 2023). Das erklärt, warum die Grenzwerte in der Tabelle von Alter zu Alter unterschiedlich ausfallen.
Wie viele Kinder in Deutschland haben Übergewicht?
Rund jedes sechste Kind in Deutschland ist von Übergewicht betroffen: In der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts hatten 15,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen Übergewicht, 5,9 Prozent eine Adipositas (RKI, 2020). Am häufigsten sind 11- bis 13-Jährige betroffen, bei den 3- bis 6-Jährigen liegt die Übergewichtsquote mit 9,0 Prozent deutlich niedriger (RKI, 2020). Im Vergleich zur vorherigen KiGGS-Erhebung sind die Werte weitgehend unverändert geblieben.
Weltweit hat sich die Lage laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich verschärft: 2022 galten über 390 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren als übergewichtig, mehr als 160 Millionen davon mit Adipositas – 1990 waren es noch 8 statt 20 Prozent (WHO, 2025). Die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht ist zudem in Familien mit niedrigerem sozialem Status im Schnitt höher (RKI, 2020) – das sagt nichts über einzelne Familien aus, sondern beschreibt einen statistischen Zusammenhang.
Wodurch entsteht Übergewicht bei Kindern?
Meist ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass das Körpergewicht zu einem gewissen Teil durch genetische Faktoren beeinflusst wird. Übergewicht entsteht dennoch erst dann, wenn dein Kind auf Dauer mehr Kalorien aufnimmt, als es tatsächlich verbraucht. Das ist meist der Fall, wenn Kinder kalorienreich essen und trinken, sich aber zu wenig bewegen. Moderne Spiel- und Unterhaltungsmöglichkeiten verleiten leider zum stundenlangen (Still-)Sitzen.
Auch die Weltgesundheitsorganisation ordnet Übergewicht bei Kindern als Ergebnis eines Zusammenspiels aus Energie-Ungleichgewicht, Umweltfaktoren und psychosozialen Einflüssen ein (WHO, 2025). Wenn du die Bewegungs- und Essgewohnheiten deines Kindes im Blick behältst, bist du auf dem richtigen Weg – eine einzelne Ursache lässt sich selten isolieren.
Welche gesundheitlichen Folgen kann Übergewicht bei Kindern haben?
Übergewicht kann sich schon kurzfristig auf das Wohlbefinden deines Kindes auswirken, muss es aber nicht zwangsläufig.
Kurzfristige Folgen
Laut WHO kann Übergewicht und speziell Adipositas im Kindesalter mit psychosozialen Folgen einhergehen, etwa mit Auswirkungen auf schulische Leistungen und Lebensqualität, teils verstärkt durch Stigmatisierung oder Hänseleien (WHO, 2025).
Langfristige Folgen
Übergewicht in der Kindheit ist zudem mit einem höheren Risiko und einem früheren Auftreten nicht übertragbarer Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, und Kinder mit Adipositas werden mit höherer Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsene davon betroffen sein (WHO, 2025). Das bedeutet nicht, dass das bei deinem Kind zwangsläufig eintritt – es zeigt aber, warum sich ein Gegensteuern im Alltag lohnen kann.
Was tun bei Übergewicht bei Kindern?
Auch für Kinder gilt: Die Pfunde purzeln nur, wenn die täglich zugeführte Kalorienmenge unter dem Energieverbrauch liegt. Wichtig zu wissen:
Entlaste das Kalorienkonto mit sättigenden Lebensmitteln mit wenig Kalorien wie Obst und Gemüse. Berücksichtige dabei aber immer die Vorlieben deines Kindes.
Strikte Verbote, zum Beispiel von Süßigkeiten oder Fast Food, sind nicht hilfreich, sondern machen gerade diese Lebensmittel interessant.
Plane am Tag mindestens eine gemeinsame Mahlzeit mit deinen Kindern ein – in möglichst entspannter und angenehmer Atmosphäre. So steht der bewusste Genuss im Vordergrund.
Motiviere dein Kind, indem du auch als Familie die Ernährung umstellst.
Wenn du diese Punkte beherzigst und dich an der Ernährungspyramide orientierst, schaffst du eine wichtige Basis für das angemessene Gewicht deines Kindes.
Wie kann eine Ernährungsorientierung im Alltag aussehen?
Ein starrer Ernährungsplan für übergewichtige Kinder ist selten hilfreich – gemeint ist eher eine Orientierung, an der sich dein Alltag ausrichten kann. Biete deinem Kind regelmäßige Mahlzeiten an, zum Beispiel drei Hauptmahlzeiten und bis zu zwei Zwischenmahlzeiten. Außerhalb dieser Zeiten sollte essensfreie Zeit sein. Kalorienfreie Getränke wie Wasser und ungesüßte Tees kann dein Kind hingegen uneingeschränkt trinken.
Achte dabei auch auf eine zuckerärmere Ernährung, ohne einzelne Lebensmittel zu verbieten. So entsteht eine Struktur, an der sich dein Kind orientieren kann, ohne dass sie sich wie eine Diät anfühlt.
Was tun, wenn mein Kind kein Gemüse oder Vollkornprodukte mag?
Verstecke wichtige Lebensmittel einfach, statt sie zum Streitthema zu machen. Püriere zum Beispiel Soßen mit Gemüse oder stelle einen Teig zur Hälfte aus Vollkornmehl und zur Hälfte aus Weizenmehl her. Wenn dein Kind generell wählerisch beim Essen ist, findest du hier weitere Anregungen, die über das gelegentliche Verstecken hinausgehen.
Wie viel Bewegung braucht mein Kind, um Übergewicht vorzubeugen?
Sorge neben einer ausgewogenen Ernährung auch für mehr Bewegung. Eine spielerische Herangehensweise bringt dabei Spaß und Selbstvertrauen. Ob Toben oder Sport – Bewegung verbraucht viele Kalorien, also Energie, die dein Kind beim Essen aufnimmt. Probiere aus, was deinen Kids gut gefällt. Viele Bewegungsspiele lassen sich drinnen wie draußen umsetzen: Bälle und Luftballons eignen sich zum Werfen, Fangen, Rollen, Prellen, Zielen, Kicken, Jonglieren und Balancieren, eine Matratze regt zum Toben an.
Als Richtwert empfiehlt die WHO für Kinder und Jugendliche im Schnitt mindestens 60 Minuten Bewegung pro Tag, überwiegend aerob, dazu an mindestens drei Tagen die Woche zusätzlich muskel- und knochenstärkende Übungen (WHO, 2021). Weitere Tipps und Tricks für kleine Bewegungsmuffel findest du in unserer Broschüre „Vitale Kinder – mit Spaß essen und bewegen".
Wie reduzierst du Bildschirmzeit und Sitzen im Alltag?
Am einfachsten gelingt das, indem du deinem Kind im Alltag attraktive Alternativen zu Tablet-PC, Smartphone & Co. bietest, statt Bildschirmzeit einfach nur zu verbieten. Die WHO empfiehlt, Sitzzeiten und insbesondere die Zeit vor Bildschirmen zum Vergnügen grundsätzlich zu begrenzen, ohne dafür einen festen Stundenwert für Kinder ab fünf Jahren zu nennen (WHO, 2020). Wechsle Sitzphasen bewusst mit Bewegungsphasen ab – schon kurze aktive Pausen zwischendurch können helfen.
Sollte ich mein Kind auf Diät setzen?
Nein. Wirke Übergewicht bei Kindern sanft und nachhaltig entgegen, anstatt den Nachwuchs hungern zu lassen. Bei 2- bis 6-jährigen übergewichtigen Kindern kann auch eine Gewichts-Stabilisierung das Ziel sein: Aufgrund des Wachstums reguliert sich der BMI dann in der Regel von allein. Sprich hierzu am besten mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt oder einer Ernährungsfachkraft.
Wann solltest du mit einer Kinderärztin, einem Kinderarzt oder einer Ernährungsfachkraft sprechen?
Immer dann, wenn du bei deinem Kind ein mögliches Übergewicht oder eine Adipositas vermutest, ist der Rat einer Kinderärztin oder eines Kinderarztes sinnvoll (DGKJ, 2018). Beim Termin wird zunächst geprüft, ob eine andere Erkrankung hinter dem Gewicht steckt, anschließend wird das Gesundheitsrisiko eingeordnet und die weitere Gewichtsentwicklung deines Kindes gemeinsam mit dir im Blick behalten (DGKJ, 2018). Das gilt unabhängig davon, ob am Ende eher Beobachtung, eine Ernährungsberatung oder eine Gewichts-Stabilisierung im Vordergrund steht.
Fazit: Übergewicht bei Kindern ist kein Grund für Druck
Übergewicht bei Kindern lässt sich meist gut einordnen, wenn du BMI, Alter und Alltag gemeinsam betrachtest, statt auf eine einzelne Zahl zu starren. Die Ursachen sind fast immer ein Zusammenspiel aus Veranlagung, Ernährung, Bewegung und Umfeld – nie ein einzelnes Versäumnis. Kinder beim Abnehmen zu unterstützen bedeutet vor allem, dranzubleiben und im Alltag kleine Stellschrauben zu drehen, statt sie unter Druck zu setzen oder auf Diät zu setzen. Bei jüngeren Kindern kann sogar eine Gewichts-Stabilisierung reichen, weil sich der BMI mit dem Wachstum von allein reguliert. Bleib bei Unsicherheit im Austausch mit Kinderärztin, Kinderarzt oder Ernährungsfachkraft – das nimmt dir nicht die Verantwortung ab, aber den Druck, alles allein richtig machen zu müssen.
Quellen
Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA). (2015). Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter
Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA). (2026). Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter, S3-Leitlinie, Kurzfassung. https://register.awmf.org/assets/guidelines/050-002l_S3_KF_Therapie-Praevention-Adipositas-Kinder-Jugendliche_2026-04.pdf
World Health Organization (WHO). (2025). Obesity and overweight. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight
Robert Koch-Institut (RKI). (2020). Themenblatt Adipositas bei Kindern und Jugendlichen, Studien und Surveillance. https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Studien-und-Surveillance/Studien/Adipositas-Monitoring/Adipositas/HTML_Themenblatt_Adipositas.html
World Health Organization (WHO). (2020). 2020 WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour for children and adolescents. https://www.who.int/publications/i/item/9789240015128
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). (2018). Elterninformation „Mein Kind ist zu dick“ – Ursachen für Übergewicht. https://www.dgkj.de/eltern/dgkj-elterninformationen/elterninfo-uebergewicht/
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Kinderärzte im Netz. (2023). Übergewicht (Fettsucht, Adipositas) – Diagnose. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/uebergewicht-fettsucht-adipositas/diagnose/
World Health Organization (WHO). (2021). Physical activity. WHO Regional Office for Europe. https://www.who.int/europe/news-room/fact-sheets/item/physical-activity
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungsfachliche Beratung. Wenn du unsicher bist, wie du das Gewicht deines Kindes einordnen sollst, oder wenn das Thema Gewicht deinem Kind spürbar zusetzt, sprich mit einer Kinderärztin, einem Kinderarzt oder einer Ernährungsfachkraft. Bei starker psychischer Belastung kann zusätzlich eine psychologische Fachperson oder eine Beratungsstelle helfen.