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Nutri Score checken
Monday, 21.11.22
5 Min.

Nutri-Score: Was ist das eigentlich?

Die ernährungsphysiologisch ungünstige Lebensmittelauswahl und die damit verbundene Fehlernährung sind nicht nur in Deutschland ein Problem. Übergewicht, Adipositas und mögliche Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus stellen eine große Belastung für die Gesundheitssysteme dar. Doch wie können Verbraucher bei einer gesünderen Lebensmittelauswahl unterstützt werden?

Ein Baustein dabei ist die verbesserte Nährwertkennzeichnung von Produkten mit dem sogenannten Nutri-Score. Das Kennzeichnungsmodell erhielt in einer repräsentativen Verbraucherumfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der Deutschen Adipositasgesellschaft (DAG), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sowie weiterer medizinsch-wissenschaftlicher Fachgesellschaften und Verbraucherorganisationen hohe Zustimmungswerte: Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Befragten sprachen sich dabei für den Nutri-Score als bevorzugte Kennzeichnung gegenüber dem „Wegweiser Ernährung“ vom Max Rubner-Institut aus. 60 Prozent gaben an, dass der Nutri-Score die Auswahl gesunder Lebensmittel erleichtert. Daher setzen sich die Fachgesellschaften und Verbraucherorganisationen für die Umsetzung des Nutri-Scores in Deutschland ein. Auch einige Hersteller wie Nestlé unterstützen das Modell und möchten es in Deutschland – am besten aber als gesamteuropäische Lösung – etablieren. In Frankreich, Belgien, Portugal, Luxemburg und der Schweiz wird die Umsetzung des Nutri-Scores bereits politisch empfohlen. Aber was ist der Nutri-Score eigentlich? Wie funktioniert er? Und was kann er leisten?

Was ist der Nutri-Score?

Mit den Angaben auf Lebensmittelverpackungen sind viele Verbraucher:innen überfordert. Sie können die Nährwerte von Produkten sowie deren Bedeutung für die eigene Ernährungsweise nur schwer einschätzen. Vor diesem Hintergrund wurden mehrere Kennzeichnungssysteme als verständliche Entscheidungshilfe für Verbraucher:innen hin zu einer gesünderen Lebensmittelauswahl entwickelt, so auch der Nutri-Score. Er geht auf die Ernährungswissenschaftler Professor Mike Rayner und Professor Serge Hercberg zurück. Im Jahr 2005 erstellte Professor Rayner mit Kollegen im Auftrag der britischen Food Standards Agency (FSA) ein Berechnungssystem für Nährwertprofile. Dieses bildet die Grundlage für das von Professor Hercberg und seinem Team von der Pariser Universität Sorbonne konzipierte Kennzeichnungssystem für Lebensmittel und Getränke – den Nutri-Score. Das fünfstufige Modell bewertet das Nährwertprofil von Lebensmitteln und Getränken und berücksichtigt dabei „weniger positive“ sowie „positive“ Nähr- und Inhaltsstoffe, und verrechnet diese zu einem Gesamtwert. Der daraus resultierende Gesamtscore dient der Einordnung der Produkte auf einer Skala von „A“ (gesündere Wahl) bis „E“ (weniger gesunde Wahl). Der jeweilige Buchstabe wird zusätzlich farblich hervorgehoben – von Dunkelgrün bei A über Gelb bei C bis hin zu Rot bei E. Durch das Symbol vorne auf der Verpackung (Front-of-pack) können die Verbraucher:innen das Nährwertprofil auf einen Blick erfassen.

Wie funktioniert der Algorithmus?

In die Berechnung des Nutri-Scores fließen zum einen der Gehalt an Nahrungsenergie, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Natrium (Salz) pro 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter ein. Neben diesen gesundheitlich eher negativ assoziierten Nährwerten werden zum anderen auch positiv assoziierte Bestandteile wie Ballaststoffe, Proteine sowie der Gesamtanteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte eines Produktes berücksichtigt. Für jeden einzelnen Gehalt wird eine Punktzahl ermittelt. Für Nahrungsenergie und gesättigte Fettsäuren sind jeweils null bis zehn Punkte möglich, während es für Zucker null bis fünfzehn und für Natrium null bis zwanzig sind. Dagegen können Ballaststoffe null bis fünf Punkte ergeben, Proteine null bis sieben (rotes Fleisch bekommt maximal zwei Punkte) und Obst, Gemüse sowie Hülsenfrüchte null bis fünf.

Anschließend werden alle Punkte zur Bestimmung des Nutri-Scores verrechnet. Von der Gesamtsumme der weniger erwünschten Nährwerte wird die Gesamtsumme der erwünschten Inhaltsstoffe abgezogen und das Ergebnis definiert die Gesamtpunktzahl (-17 bis 55 Punkte) für das Produkt. Dabei gilt: Je geringer die Gesamtpunktzahl, desto günstiger ist das Nährwertprofil. Anhand des Ergebnisses erfolgt die Einteilung auf der Bewertungsskala vom dunkelgrünen „A“ bis zum roten „E“ – mehr positive und weniger negative Nährwertelemente führen zu einer besseren Bewertung.

Was soll das farbliche fünfstufige Modell leisten?

Laut Robert Koch-Institut sind derzeit 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland übergewichtig – rund ein Viertel der Erwachsenen ist adipös. Auch viele Kinder und Jugendliche (15 Prozent) sind von Übergewicht betroffen. Starkes Übergewicht kann beispielsweise zu Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Die Fehlernährung und die ernährungsphysiologisch ungünstige Lebensmittelauswahl gehören neben Bewegungsmangel und genetischen Faktoren zu den Hauptursachen für Übergewicht. Der Nutri-Score wurde wissenschaftlich bereits in mehreren Studien untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass er – verglichen mit anderen Systemen – meist besser verstanden wird und Verbraucher:innen bei einer ernährungsphysiologisch günstigeren Lebensmittelauswahl unterstützt. In einer Vergleichsstudie kamen Szabo de Edelenyi und Kollegen zu dem Ergebnis, dass der Nutri-Score ein effektives Hilfsmittel ist, die Nährwertqualität von Lebensmitteln innerhalb einer Lebensmittelgruppe sowie über Lebensmittelgruppen hinweg zu unterscheiden. Laut den Wissenschaftler:innen stimme die Klassifikation der Lebensmittel und Getränke auch mit den deutschen Ernährungsempfehlungen überein. Zum Beispiel erhielten Produkte mit hohem Obst- oder Gemüseanteil überwiegend ein A oder B (79,7 Prozent) und zuckerreiche Snacks ein D oder E (93,4 Prozent). Zudem hat das Nutri-Score-Modell das Potenzial, Verbesserungen der Rezeptur von Produkten zu fördern. Durch die Reduktion von Nährstoffen wie Zucker, Süßstoffen und Natrium und in begrenztem Maße auch durch die Erhöhung ernährungsphysiologisch positiver Bestandteile kann das Nährwertprofil verbessert werden.

Kein Garant für eine ausgewogene Ernährung

Zwar gilt der Nutri-Score als leicht verständliches und intuitives Nährwertkennzeichnungssystem. Er ist aber nicht automatisch ein Garant für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Nach wie vor kommt es auf die sinnvolle Kombination der verschiedenen Lebensmittelgruppen und deren Verzehrmenge (Orientierung zum Beispiel anhand der Ernährungspyramide) und damit eine gewisse Ernährungskompetenz an. Neben der Entscheidungshilfe, die der Nutri-Score bietet, ist es daher wichtig, den Verbraucher:innen fundierte Informationen über eine ausgewogene Ernährung an die Hand zu geben. Denn erst die Synergie aus einer vereinfachten Nährwertkennzeichnung, der Nutzung von Angaben etwa aus Zutatenlisten und Nährwerttabellen sowie verbraucherorientierten Ernährungsinformationen kann die Ernährungsgewohnheiten nachhaltig fördern.

Ernährungsstudio
Autor:in
Ernährungsstudio
Redaktion

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